Ferdinand-Heye-Schule Ferdinand Heye (*13. Juli 1838 -  † 26. Juli 1889)

Ferdinand Heye

Der Name Ferdinand Heye ist untrennbar mit Gerresheim, dem Stadtteil im Osten von Düsseldorf, verbunden. Ferdinand Heye, geboren in Bremen, kam 1864 nach Gerresheim, das damals noch eigenständig war, und gründete seine Glasfabrik zur Herstellung von Flaschen. Für Ferdinand Heye war die soziale Versorgung seiner Arbeiter immer maßgeblich. Er richtete nicht nur Werkswohnungen ein, die den Bedürfnissen seiner Schichtarbeiter entgegen kamen, er gründete auch eine Betriebskrankenkasse und sicherte seine Arbeiter mit einer Unfallversicherung ab. Ferdinand Heye gestaltete auch das gesellschaftliche Leben im südlichen Gerresheim mit. Er gründete Musikkapellen und Chöre, baute das Heyebad und richtete sogar einen Radverein ein. 1867 gründete er die heutige Ferdinand-Heye-Schule mit damals einer Klasse. Die Rheinische Post veröffentlichte dazu in der Ausgabe vom 9.3.2013 im Rahmen der Reihe 725 Jahre Düsseldorf den Artikel “Ferdinand Heye - Unternehmer mit Weltsicht” (siehe unten).
SERIE  725 JAHRE D Ü SSELDORF Ferdinand Heye – Unternehmer mit Weitsicht Der Gründer der Gerresheimer Glashütte trägt zur Entwicklung Düsseldorfs als Industriestandort maßgeblich bei. VON MICHAEL BROCKERHOFF V ertraut und gleichzeitig fremd w irkt der helle Turm mit dem gro- ßen blauen G, der weithin sichtbar von der Torfbruchstraße und der Morper Straße die Umgebung über- ragt. Vertraut, weil er bereits seit Jahrzehnten auf die bedeutende Glasproduktion hinweist, durch die Gerresheim und Düsseldorf be- kannt geworden sind. Fremd, weil die Glashütte seit 2005 geschlossen ist. Alle Hallen, die an die Produkti- on erinnern, sind abgerissen bis auf die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Kraftwerks- und Elektrozentrale. Aber die Tradition der über 140 Jahre dauernden Glas- produktion, der Gerresheimer Glas- hütte, ist noch im Bewusstsein vor allem der Anwohner im südlichen Gerresheim, das in seiner besonde- ren Form erst durch die Ansiedlung der Glashütte entstanden ist. Diese Tradition hält die Patrizia-Immobi- liengesellschaft, Investor in ein neu- es Wohnquartier auf dem Areal, für identitätsstiftend und nennt das neue Quartier daher bewusst „Glas- macherviertel“. Die bedeutende Glasproduktion verdankt Düsseldorf dem Unter- nehmer Ferdi- nand Heye, der mit seinem Spür- sinn für neue Märkte, mit sei- ner Aufgeschlos- senheit für tech- nische Innovatio- nen und mit sei- ner unbeirrten Geradlinigkeit das florierende Unternehmen schuf und es innerhalb von 20 Jahren zur damals weltweit größten Glashütte auszubauen. Als jüngster Sohn ei- ner Unternehmerfamilie in Bremen hatte Heye die Gründung einer Fa- brik gewagt, weil er keine Möglich- keit sah, neben seinen Brüdern im Familienbetrieb eine führende Stel- lung einzunehmen, wie Bruno Kammann in seiner umfassenden Geschichte der Firma Gerresheimer Glas und der Familie Heye be- schreibt. Heye wählte für den neuen Stand- ort die Region Düsseldorf vor allem deshalb, weil die Infrastruktur günstig war. Eine der ersten Eisen- bahnlinien, die Bergisch-Märkische Bahn, lief von Düsseldorf über Ger- resheim, Erkrath nach Wuppertal und hatte Anschluss an die Köln- Mindener Bahn. Der Transport für die Rohstoffe von Glas – Sand, Kalk- stein und Soda – war also günstig, zumal die Rohstoffe in der näheren Umgebung von Gerresheim vorka- men. Zudem lag Düsseldorf in der Mitte eines Dreiecks von Regionen, in denen sich die Industrie entwi- ckelte: das Kohlegebiet an der Ruhr, die Textilindustrie im Raum Krefeld, Produktion in der Eifel durch die Nähe des Kohlegebietes bei Lüttich. Wegen dieser guten Lage wählten viele Unternehmen, vor allem der Stahlindustrie, von der Mitte des 19.Jahrhunderts an Düsseldorf als Produktionsstandort. Düsseldorf boomte. Auch Heye hatte die Vorteile er- kannt und die Chance gesehen, ei- nen Absatzmarkt in der rasch wach- senden Industrie-Region zu er- schließen. Er plante eine neue Glas- hütte in der Umgebung der Eisen- bahnlinie in Gerresheim. Die Pläne verwirklichte er 1864. Bereits ein Jahr früher wohnte Heye in Düsseldorf, hatte sich im Gasthaus Prinz von Preußen an der Königsallee einquartiert. Am 1.März 1864 meldete er sich poli- zeilich in Gerresheim und beantrag- te bei der Gemeinde den Bau der Glashütte. Bereits am 20. Mai be- kam Heye eine Konzession für eine Glashütte, die auf einem zuvor ge- kauften 4200 Quadratmeter großen Grundstück an der Bahnlinie ge- baut werden sollte. Auch persönlich war 1864 für Heye ein wichtiges Jahr. Er heiratete seine Frau Pauline, die am Aufbau der Glashütte mitarbeitete, Prokura bekam und sich für die Arbeiter und ihre Familien sozial engagierte. Die beiden hatten vier Kinder, der äl- teste Sohn Her- mann übernahm nach dem Tod des Vaters die Firma. Heye hatte übrigens seinen Wohnsitz weiterhin in Düsseldorf, hatte dort ein selbst gebautes Haus an der Reichsstraße bezogen. Dort wohnte auch ein anderer erfolgrei- cher Unternehmer, Heinrich Ehr- hardt, der Gründer der späteren Fir- ma Rheinmetall. Zwischen beiden Familien gab es später auch ver- wandtschaftliche Beziehungen, weil ein Sohn Heyes eine Tochter Ehrhardts heiratete. Gute Beziehungen zwischen den Industriellen in Düsseldorf waren im 19. Jahrhundert zur Zeit des in- dustriellen Aufbruchs nicht selten. Gemeinsam entwickelten sie Kon- zepte, um den Wirtschaftsstandort Düsseldorf voranzubringen und versuchten sie durch Kontakte zur Politik voranzubringen. Mit ihren Konzepten schauten die Unterneh- mer hinweg über die jeweils engen Grenzen der Stadt Düsseldorf und der benachbarten Gemeinden wie Gerresheim und betrachteten die Region als Ganzes. Durch die neuen Fabriken und Siedlungen wuchsen die Gemeinden und Düsseldorf Stück und Stück zusammen. Die Eingemeindungswellen von 1909 und 1929 waren eine logische Folge. Auch Heye hatte Einfluss in die- sen Kreisen, nachdem er seine Glas- hütte als moderne Produktionsstät- te etabliert hatte. Die Hindernisse für die Entwicklung hatte Heye mit der Einführung und Verfeinerung neuer Produktionsverfahren und mit der klugen Erschließung neuer Absatzmärkte überwunden. Eine einschneidende Neuerung war 1883 die Einführung neuer Glasschmelz- öfen, mit denen die heiße, flüssige Glasmasse ohne Unterbrechung hergestellt werden konnte. Bei den alten Öfen dagegen gab es Arbeits- pausen, bis die neue Schmelze fertig war, dann mussten die Glasbläser Flaschen und Gefäße blasen, bis die Schmelze aufgebraucht war. Mit den neuen Öfen war eine Produkti- on rund um die Uhr möglich. Der Umsatz konnte gesteigert werden. Die Zahlen, die Kammann in seiner Dokumentation nennt, sprechen für sich: wurde 1865 eine Million Flaschen produziert, waren es 1890 rund 47 Millionen Flaschen. Der Absatzmarkt war vorhanden, weil der Transport von Mineralwasser oder Milch in Glasflaschen sehr viel hygienischer war und die Haltbar- keit verbesserte. Heye nahm die neue Technik zum Anlass, einen Schichtbetrieb mit jeweils Acht- Stunden-Schichten einzuführen. Die Regelmäßigkeit der Arbeit war ein Vorteil für die Arbeiter, die vor- her bei den alten Öfen auf Abruf be- reitstehen mussten und auch nachts zur Arbeit gerufen wurden. Arbeitsbeginn und -ende für eine Schicht hatte Heye auch nach den Bedürfnissen der Familien festge- legt. Eine gemeinsame Hauptmahl- zeit sollte möglich und das um- ständliche Essenbringen in die Fa- brik unnötig sein. Diese Überlegungen sind typisch für die Bemühungen Heyes, das Le- ben der Arbeiter und der Familien zu erleichtern und ihnen einen an- nehmbaren Lebensstandard zu er- möglichen. So baute er Siedlungen mit für damalige Verhältnisse groß- zügig geschnitten Wohnungen. Die Häuser an Heye- und Morper Stra- ße, die unter Denkmalschutz ste- hen, sind heute noch begehrt. Ein Vereinshaus mit Badeanstalt, Bibliothek und Lesezimmer – das Heyebad –, ein Altenheim, eine Schule und nicht zuletzt die evange- lische Gustav-Adolf-Kirche für die evangelischen Facharbeiter, die aus den östlichen europäischen Län- dern kamen, ließ Heye bauen ode r unterstützte sie zumindest finan- ziell. Diese Fürsorge für die Arbeiter setzte in ganz Düsseldorf Maßstäbe, Wohnhäuser für Arbeiter ließen auch andere Unternehmer bauen. Aus reiner Nächstenliebe handel- te Heye jedoch nicht. Unternehme- risches Kalkül war eine wesentliche Triebfeder für sein soziales Engage- ment. Denn gut ausgebildete Fach- arbeiter konnten nur angeworben und auch gehalten werden, wenn die Arbeitsbedingungen gut waren, gerechter Lohn gezahlt wurde und das Wohlergehen der gesamten Fa- milie gesichert war. Andererseits duldete Heye nicht, dass sich Arbei- ter in sozialistischen Vereinen ode r in der SPD betätigten, weil er durch die Arbeiterbewegung die Freihei t des Unternehmertums gefährdet sah. Mitglieder der SPD bekamen sogar die Kündigung. Das zeigt, dass Heye von eine r Partnerschaft zwischen Unterneh- mer und Arbeiter nicht viel hielt, dass er aber aus einem patriarchali- schen Fürsorgeverständnis heraus weit mehr als damals üblich für die Lebensqualität der Arbeiter sorgte, wie Kammann bilanziert. Diese Haltung wird in der Glashütte, sei- nem Lebenswerk, deutlich. Deshalb war und ist sie ein Identifikations- punkt für Gerresheim und ganz Düsseldorf. Mit 26 Jahren wagte Ferdinand Heye die Gründung eines eigenen Unternehmens. FOTO: STADTARCHIV 1838  wurde Ferdinand Heye als jüngstes von acht Kindern des Bre- mer Fabrikanten Caspar Hermann Heye und seiner Frau Isabella Wil- helmine Louisa geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, hielt sich als Kauf- mann einige Zeit in Frankreich auf. 1864  gründete er die Fabrik in Ger- resheim. Sie wuchs bis 1868 auf vier Öfen an. Bis 1876 wurde die Fabrik um weitere fünf Öfen Zug um Zug erweitert. Ab 1881 ersetzte Heye die Öfen durch Schmelzwannen, 1883  führ- te er die Technik der kontinuierli- chen Glasschmelze ein. 1891 starb Ferdinand Heye, sein Sohn Hermann übernahm das Un- ternehmen. Lebensstationen des Unternehmers ZEITTAFEL Unternehmerisches Kalkül war eine Triebfeder für Heyes so- ziales Engagement D-L6 D6 Düsseldorf RHEINISCHE POST SAMSTAG, 9. MÄRZ 2013
Ferdinand Heye (*13. Juli 1838 -  † 26. Juli 1889)

Ferdinand Heye

Der Name Ferdinand Heye ist untrennbar mit Gerresheim, dem Stadtteil im Osten von Düsseldorf, verbunden. Ferdinand Heye, geboren in Bremen, kam 1864 nach Gerresheim, das damals noch eigenständig war, und gründete seine Glasfabrik zur Herstellung von Flaschen. Für Ferdinand Heye war die soziale Versorgung seiner Arbeiter immer maßgeblich. Er richtete nicht nur Werkswohnungen ein, die den Bedürfnissen seiner Schichtarbeiter entgegen kamen, er gründete auch eine Betriebskrankenkasse und sicherte seine Arbeiter mit einer Unfallversicherung ab. Ferdinand Heye gestaltete auch das gesellschaftliche Leben im südlichen Gerresheim mit. Er gründete Musikkapellen und Chöre, baute das Heyebad und richtete sogar einen Radverein ein. 1867 gründete er die heutige Ferdinand-Heye-Schule mit damals einer Klasse. Die Rheinische Post veröffentlichte dazu in der Ausgabe vom 9.3.2013 im Rahmen der Reihe 725 Jahre Düsseldorf den Artikel “Ferdinand Heye - Unternehmer mit Weltsicht” (siehe unten).
SERIE  725 JAHRE D Ü SSELDORF Ferdinand Heye – Unternehmer mit Weitsicht Der Gründer der Gerresheimer Glashütte trägt zur Entwicklung Düsseldorfs als Industriestandort maßgeblich bei. VON MICHAEL BROCKERHOFF V ertraut und gleichzeitig fremd w irkt der helle Turm mit dem gro- ßen blauen G, der weithin sichtbar von der Torfbruchstraße und der Morper Straße die Umgebung über- ragt. Vertraut, weil er bereits seit Jahrzehnten auf die bedeutende Glasproduktion hinweist, durch die Gerresheim und Düsseldorf be- kannt geworden sind. Fremd, weil die Glashütte seit 2005 geschlossen ist. Alle Hallen, die an die Produkti- on erinnern, sind abgerissen bis auf die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Kraftwerks- und Elektrozentrale. Aber die Tradition der über 140 Jahre dauernden Glas- produktion, der Gerresheimer Glas- hütte, ist noch im Bewusstsein vor allem der Anwohner im südlichen Gerresheim, das in seiner besonde- ren Form erst durch die Ansiedlung der Glashütte entstanden ist. Diese Tradition hält die Patrizia-Immobi- liengesellschaft, Investor in ein neu- es Wohnquartier auf dem Areal, für identitätsstiftend und nennt das neue Quartier daher bewusst „Glas- macherviertel“. Die bedeutende Glasproduktion verdankt Düsseldorf dem Unter- nehmer Ferdi- nand Heye, der mit seinem Spür- sinn für neue Märkte, mit sei- ner Aufgeschlos- senheit für tech- nische Innovatio- nen und mit sei- ner unbeirrten Geradlinigkeit das florierende Unternehmen schuf und es innerhalb von 20 Jahren zur damals weltweit größten Glashütte auszubauen. Als jüngster Sohn ei- ner Unternehmerfamilie in Bremen hatte Heye die Gründung einer Fa- brik gewagt, weil er keine Möglich- keit sah, neben seinen Brüdern im Familienbetrieb eine führende Stel- lung einzunehmen, wie Bruno Kammann in seiner umfassenden Geschichte der Firma Gerresheimer Glas und der Familie Heye be- schreibt. Heye wählte für den neuen Stand- ort die Region Düsseldorf vor allem deshalb, weil die Infrastruktur günstig war. Eine der ersten Eisen- bahnlinien, die Bergisch-Märkische Bahn, lief von Düsseldorf über Ger- resheim, Erkrath nach Wuppertal und hatte Anschluss an die Köln- Mindener Bahn. Der Transport für die Rohstoffe von Glas – Sand, Kalk- stein und Soda – war also günstig, zumal die Rohstoffe in der näheren Umgebung von Gerresheim vorka- men. Zudem lag Düsseldorf in der Mitte eines Dreiecks von Regionen, in denen sich die Industrie entwi- ckelte: das Kohlegebiet an der Ruhr, die Textilindustrie im Raum Krefeld, Produktion in der Eifel durch die Nähe des Kohlegebietes bei Lüttich. Wegen dieser guten Lage wählten viele Unternehmen, vor allem der Stahlindustrie, von der Mitte des 19.Jahrhunderts an Düsseldorf als Produktionsstandort. Düsseldorf boomte. Auch Heye hatte die Vorteile er- kannt und die Chance gesehen, ei- nen Absatzmarkt in der rasch wach- senden Industrie-Region zu er- schließen. Er plante eine neue Glas- hütte in der Umgebung der Eisen- bahnlinie in Gerresheim. Die Pläne verwirklichte er 1864. Bereits ein Jahr früher wohnte Heye in Düsseldorf, hatte sich im Gasthaus Prinz von Preußen an der Königsallee einquartiert. Am 1.März 1864 meldete er sich poli- zeilich in Gerresheim und beantrag- te bei der Gemeinde den Bau der Glashütte. Bereits am 20. Mai be- kam Heye eine Konzession für eine Glashütte, die auf einem zuvor ge- kauften 4200 Quadratmeter großen Grundstück an der Bahnlinie ge- baut werden sollte. Auch persönlich war 1864 für Heye ein wichtiges Jahr. Er heiratete seine Frau Pauline, die am Aufbau der Glashütte mitarbeitete, Prokura bekam und sich für die Arbeiter und ihre Familien sozial engagierte. Die beiden hatten vier Kinder, der äl- teste Sohn Her- mann übernahm nach dem Tod des Vaters die Firma. Heye hatte übrigens seinen Wohnsitz weiterhin in Düsseldorf, hatte dort ein selbst gebautes Haus an der Reichsstraße bezogen. Dort wohnte auch ein anderer erfolgrei- cher Unternehmer, Heinrich Ehr- hardt, der Gründer der späteren Fir- ma Rheinmetall. Zwischen beiden Familien gab es später auch ver- wandtschaftliche Beziehungen, weil ein Sohn Heyes eine Tochter Ehrhardts heiratete. Gute Beziehungen zwischen den Industriellen in Düsseldorf waren im 19. Jahrhundert zur Zeit des in- dustriellen Aufbruchs nicht selten. Gemeinsam entwickelten sie Kon- zepte, um den Wirtschaftsstandort Düsseldorf voranzubringen und versuchten sie durch Kontakte zur Politik voranzubringen. Mit ihren Konzepten schauten die Unterneh- mer hinweg über die jeweils engen Grenzen der Stadt Düsseldorf und der benachbarten Gemeinden wie Gerresheim und betrachteten die Region als Ganzes. Durch die neuen Fabriken und Siedlungen wuchsen die Gemeinden und Düsseldorf Stück und Stück zusammen. Die Eingemeindungswellen von 1909 und 1929 waren eine logische Folge. Auch Heye hatte Einfluss in die- sen Kreisen, nachdem er seine Glas- hütte als moderne Produktionsstät- te etabliert hatte. Die Hindernisse für die Entwicklung hatte Heye mit der Einführung und Verfeinerung neuer Produktionsverfahren und mit der klugen Erschließung neuer Absatzmärkte überwunden. Eine einschneidende Neuerung war 1883 die Einführung neuer Glasschmelz- öfen, mit denen die heiße, flüssige Glasmasse ohne Unterbrechung hergestellt werden konnte. Bei den alten Öfen dagegen gab es Arbeits- pausen, bis die neue Schmelze fertig war, dann mussten die Glasbläser Flaschen und Gefäße blasen, bis die Schmelze aufgebraucht war. Mit den neuen Öfen war eine Produkti- on rund um die Uhr möglich. Der Umsatz konnte gesteigert werden. Die Zahlen, die Kammann in seiner Dokumentation nennt, sprechen für sich: wurde 1865 eine Million Flaschen produziert, waren es 1890 rund 47 Millionen Flaschen. Der Absatzmarkt war vorhanden, weil der Transport von Mineralwasser oder Milch in Glasflaschen sehr viel hygienischer war und die Haltbar- keit verbesserte. Heye nahm die neue Technik zum Anlass, einen Schichtbetrieb mit jeweils Acht- Stunden-Schichten einzuführen. Die Regelmäßigkeit der Arbeit war ein Vorteil für die Arbeiter, die vor- her bei den alten Öfen auf Abruf be- reitstehen mussten und auch nachts zur Arbeit gerufen wurden. Arbeitsbeginn und -ende für eine Schicht hatte Heye auch nach den Bedürfnissen der Familien festge- legt. Eine gemeinsame Hauptmahl- zeit sollte möglich und das um- ständliche Essenbringen in die Fa- brik unnötig sein. Diese Überlegungen sind typisch für die Bemühungen Heyes, das Le- ben der Arbeiter und der Familien zu erleichtern und ihnen einen an- nehmbaren Lebensstandard zu er- möglichen. So baute er Siedlungen mit für damalige Verhältnisse groß- zügig geschnitten Wohnungen. Die Häuser an Heye- und Morper Stra- ße, die unter Denkmalschutz ste- hen, sind heute noch begehrt. Ein Vereinshaus mit Badeanstalt, Bibliothek und Lesezimmer – das Heyebad –, ein Altenheim, eine Schule und nicht zuletzt die evange- lische Gustav-Adolf-Kirche für die evangelischen Facharbeiter, die aus den östlichen europäischen Län- dern kamen, ließ Heye bauen ode r unterstützte sie zumindest finan- ziell. Diese Fürsorge für die Arbeiter setzte in ganz Düsseldorf Maßstäbe, Wohnhäuser für Arbeiter ließen auch andere Unternehmer bauen. Aus reiner Nächstenliebe handel- te Heye jedoch nicht. Unternehme- risches Kalkül war eine wesentliche Triebfeder für sein soziales Engage- ment. Denn gut ausgebildete Fach- arbeiter konnten nur angeworben und auch gehalten werden, wenn die Arbeitsbedingungen gut waren, gerechter Lohn gezahlt wurde und das Wohlergehen der gesamten Fa- milie gesichert war. Andererseits duldete Heye nicht, dass sich Arbei- ter in sozialistischen Vereinen ode r in der SPD betätigten, weil er durch die Arbeiterbewegung die Freihei t des Unternehmertums gefährdet sah. Mitglieder der SPD bekamen sogar die Kündigung. Das zeigt, dass Heye von eine r Partnerschaft zwischen Unterneh- mer und Arbeiter nicht viel hielt, dass er aber aus einem patriarchali- schen Fürsorgeverständnis heraus weit mehr als damals üblich für die Lebensqualität der Arbeiter sorgte, wie Kammann bilanziert. Diese Haltung wird in der Glashütte, sei- nem Lebenswerk, deutlich. Deshalb war und ist sie ein Identifikations- punkt für Gerresheim und ganz Düsseldorf. Mit 26 Jahren wagte Ferdinand Heye die Gründung eines eigenen Unternehmens. FOTO: STADTARCHIV 1838  wurde Ferdinand Heye als jüngstes von acht Kindern des Bre- mer Fabrikanten Caspar Hermann Heye und seiner Frau Isabella Wil- helmine Louisa geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, hielt sich als Kauf- mann einige Zeit in Frankreich auf. 1864  gründete er die Fabrik in Ger- resheim. Sie wuchs bis 1868 auf vier Öfen an. Bis 1876 wurde die Fabrik um weitere fünf Öfen Zug um Zug erweitert. Ab 1881 ersetzte Heye die Öfen durch Schmelzwannen, 1883  führ- te er die Technik der kontinuierli- chen Glasschmelze ein. 1891 starb Ferdinand Heye, sein Sohn Hermann übernahm das Un- ternehmen. Lebensstationen des Unternehmers ZEITTAFEL Unternehmerisches Kalkül war eine Triebfeder für Heyes so- ziales Engagement D-L6 D6 Düsseldorf RHEINISCHE POST SAMSTAG, 9. MÄRZ 2013 Ferdinand-Heye-Schule